Mit Bootstrapping-Methode eigenes Unternehmen starten

Bei Bootstrapping geht es um einen generellen Ansatz ein Unternehmen unabhängig von externem Kapital aufzubauen. Es soll organisch wachsen, also nicht durch externes Kapital „angekurbelt“ werden.

Der Gründer verzichtet also auf jegliche externe Hilfe und baut sich sein Unternehmen komplett durch eigene Finanzierung auf.

Man ist also an ein begrenztes Budget, an einen engen Zeitplan und knappe Ressourcen gebunden, denn man muss sein Unternehmen ja so schnell wie möglich zum Laufen bringen, damit dieses dann auch etwas abwirft. Dadurch, dass das Geld und die Zeit von Anfang an knapp ist, lernt man als Gründer von Vornherein sparsam und effektiv zu wirtschaften.

Unternehmen, welche organisch, also aus eigener Kraft wachsen, ohne den einen großen Finanzschub von außen, verläuft die Entwicklung meist konstant. Organisch wachsende Unternehmen können deutlich unabhängiger und schneller in den Markt gehen.

Der Nachteil von Bootstrapping ist, dass man sich als Gründer in ein Abhängigkeitsverhältnis begibt, welches einem schnell die unternehmerische Freiheit rauben kann.

Die drei Kriterien von Bootstrapping

  1. kein externes Kapital
  2. Finanzierung durch laufende Erlöse
  3. sparsames Verhalten bei finanziellen Entscheidung

Bootstrapping ist also eine „Stück für Stück“ Finanzierung durch die laufenden Erlöse.

Das richtige Produkt finden

Um ein Produkt herauszubringen, für welches auf dem Markt noch Platz ist und welches in der Gesellschaft Interesse erweckt, sollte man nach folgenden drei Ansätzen gehen.

  • Welche Leidenschaften hat die Gesellschaft?
  • Welche Probleme hat die Gesellschaft?
  • Welche Ängste hat die Gesellschaft?

Als aller erstes sollte man sich also Gedanken zu dem richtigen Produkt machen, sich mit einem „Brainstorming“ bzw. der Ideenfindung auseinander setzen. Es gibt unterschiedlichste Wege eine Ideenfindung durchzuführen, auf welche ich in diesem Artikel nicht näher eingehen möchte.

Mit Hilfe von Google

Beispielsweise kann man bei Google verschiedene Fragestellungen eingeben, wie zum Beispiel:

  • „Wie werde ich“
  • „Wie bekomme ich“
  • „Wie finde ich“

Google zeigt einem dann einige Vorschläge an, nach welchen Ergebnissen die Gesellschaft sucht. Beispielsweise „Wie werde ich reich“ oder „Wie bekomme ich meinen Ex zurück“ und so weiter.

Mit Hilfe von W-Fragen die Bedürfnisse recherchieren

Genauso kann man auch über das Google-Keyword-Tool nach den am häufigsten gesuchten Suchbegriffen suchen.

Generell ist aber zu sagen, dass man mit folgenden Themen am ehesten eine große Masse der Gesellschaft (im Selbsthilfebereich) anspricht und zwar sind das:

  • Dating/Beziehung
  • Geld/Business
  • Fitness/Ernährung/Gesundheit

Dies kommt daher, dass diese drei Märkte/Thmen die untersten drei Stufen der Maslowschen Bedürfnispyramide sind, also die Physiologischen-, die Sicherheits- und die sozialen Bedürfnisse

Bootstrapping funktioniert nicht bei Geschäftsmodellen mit großen Investitionen

Grundsätzlich ist das Gründen eines Startups ohne externes Kapital eine tolle Sache, da man direkt loslegen kann und nicht vor der Gründung eine Menge an Energie in Kapitalaquise stecken muss. Jedoch ist zu beachten, dass Bootstrapping nicht für alle Geschäftsmodelle geeignet ist. Denn möchte man beispielsweise eine Wellness-Oase an der Ostsee eröffnen, kommt man um den Einsatz eines Haufen an Startkapital nicht herum. Erstmal muss man also investieren, bevor man seine ersten Gewinne erwirtschaften kann. Auch bei der Gründung eines Beratungsunternehmens muss man investieren. Jedoch ist die meiste Investition die eigene Zeit für Planung und Recherche und kein tatsächliches Geld. Wobei man natürlich auch hier argumentieren kann „Zeit ist Geld“. Jedoch glaube ich, wisst ihr was ich meine.

Unternehmensstart im Agenturgeschäft

Startet man ein Agenturgeschäft, welches auf einer aus eigener Kraft erbrachten Leistung basiert, ist es ratsam mit begrenztem Funktionsumfang zu beginnen und so schnell wie möglich seinen ersten zahlenden Kunden für sich zu gewinnen. Hat man seinen Unternehmensstart geschafft und für ein finnzielles Grundrauschen gesorgt, sollte man unbedingt am Ball bleiben und sein Leistungsangebot nach den Bedürfnissen seiner Kunden weiterentwickeln.

… im Handelsgeschäft

Plant man ein Unternehmen im Handelsgeschäft zu gründen, sollte man über gute Marktkenntnisse und über Beziehungen zu Großhändlern und/oder Auslandskontakte verfügen. Die Produkte sollten ein hervorstechendes Produktdesign und eine gute Verpackung haben, welche den Inhalt dem Kunden schmackhaft macht. Auch das Marketing ist ein sehr wichtiger Bestandteil. Denn man sollte einen besseren Weg zu seinen Kunden an den Tag legen, als es die bisherige Konkurrenz, der ursprüngliche Hersteller, macht.

… in der Beratung

Ein Vorteil eines Unternehmen, welches Beratungsdiensleitungen anbietet ist, dass dieses keine aufwendige Infrastruktur benötigt. Außerdem muss ein solches Unternehmen nicht aus einer ganz besonderen „Knaller-Idee“ herausentstehen, welches ein komplett neues Produkt am Markt, welches die Welt revolutionieren wird, beinhaltet. Die wichtigsten Vorraussetzungen sind, dass …

  1. … das Geschäftsmodell profitabel ist. Natürlich wird kein Geschäftsmodell vom ersten Tag an profitabel sein. Es sollte nur schon von Beginn an festgelegt sein, ab wann es dann profitabel sein soll. Sollte sich herausstellen, dass das Geschäftsmodell  nicht profitabel ist, sollte sofort gehandelt werden. Das Modell muss also entweder angepasst oder aufgegeben werden. An sich klingt dies recht einfach. Jedoch sollte die stetige Anpassung grade zu Beginn des Unternehmens nicht unterschätzt werden.
  2. … das Geschäftsmodell konkurrenzfähig ist. Was bringt es einem, wenn die Konkurrenz unschlagbar ist? Ganz richtig, nichts! Also sollte man sich von der Konkurrenz abheben und sein Alleinstellungsmerkmal, sein USP herausarbeiten.
  3. … das Geschäftsmodell schnell tragfähig ist. Wenn man mit Hilfe der Bootstrapper-Methode ein Unternehmen hochzieht, sollte sich dieses schon nach wenigen Monaten rechnen, da man in den meisten Fällen kein Kapital in der Rückhand hat, um sich über Wasser zu halten. Das Geschäftsmodell sollte auf jeden Fall schon im ersten Unternehmensjahr erkennbare Früchte tragen.
  4. … das Geschäftsmodell anpassbar ist. Nur so kann man auf Veränderungen am Markt reagieren und sein Geschäftsmodell dahingehend umstrukturieren und anpassen, damit man noch weiterhin auf dem Markt bestehen kann. Genauso kann es passieren, dass man den Kunden falsch eingeschätzt hat und man diesem Leistungen oder Funktionen bietet, welche er aber gar nicht benötigt. Auch darauf muss rechtzeitig reagiert werden. Daher ist es meist sinnvoller mit einem noch nicht komplett ausgereiften Produkt, welches noch anpassbar ist, in den Markt zu starten, statt mit einem lange ausgereiften Produkt.

Das personenbezogene Unternehmen

Als Freelancer oder Berater verkauft man hauptsächlich seine eigene Arbeitskraft, was bedeutet, dass man sein Unternehmen an die eigene Person bindet. Um sein Unternehmen skaliebar zu halten, ist es wichtig, von Anfang an dieses so zu strukturieren, dass man es theoretisch von seiner eigenen Person loslösen kann und es somit auch unabhängig von einem selbst funktioniert. Denn nur so kann wachen und unter Umständen sein eigenes Unternehmen auch verkaufen.

Sei der letzte der Wertschöpfungskette

Die Wertschöpfungskette stellt die Stufen der Produktion als eine geordnete Reihung von Tätigkeiten dar. Diese Tätigkeiten schaffen Werte, verbrauchen Ressourcen und sind in Prozessen miteinander verbunden.
(schreibt Wikipedia)

Den größten Wert schöpft meist derjenige, welcher die Kontrolle über die letzte Station der Abfolge von Tätigkeiten hat. In der Anfangsphase seines Unternehmens, hat man meist die Kontrolle über alle Stufen der Produktion, mit auch über die Letzte, mit welcher man den meisten Umsatz generiert. Nach und nach sollte man anstreben einige Stufen abzugeben bzw. outzusourcen um mehr Zeit für die Weiterentwicklung seines Unternehmens zu haben und sich voll und ganz auf nur eine Stufe zu konzentrieren oder eben die Hand über dem gesamten Ablauf zu haben. Möchte man jedoch nicht die lukrativste Stufe der Produktion abgeben, nämlich die Letzte, sollte man zusehen, diese bei dich zu behalten.

Einfach gesagt, handelt es sich dabei oft um den Direktverkauf. Demnach sollte man sich auf diesen konzentrieren und gezielt und bedacht dabei vorgehen. Das bedeutet, man sollte sich folgende Fragen stellen:

  • Wer kauft das Endprodukt? Man sollte also klar und deutlich seine Zielgruppe, seinen Wunschlinden definieren und bestimmen.
  • Was bezahlen die Leute für das Produkt? Hierbei ist es hilfreich, den Markt zu analysieren und zu schauen, was die Konkurrenz für vergleichbare Produkte verlangen und was der Kunde bereit ist dafür auszugeben.
  • Welche Selbstkosten hat man für einen Verkauf zu tragen? Man sollte sich genauestens vor Augen führen, welche Kosten man an Produktion, Logistik, Marketing etc. zu tragen hat um dann eine ausreichend gewinnbringende Marge für das Produkt zu definieren.

Lass Gedanken Taten folgen!

Nach der ganzen Planungsarbeit bezüglich Kalkulation, Recherche und Design geht es nun darum zur Tat zu schreiten und das eigene Startup-Unternehmen aufzubauen.

Man benötigt eine Geschäftsidee

Um eine Geschäftsidee zu entwickelt, sollte man bei den Bedürfnissen, bei dem Problemen der Gesellschaft anfangen zu suchen, was diese benötigt um deren Bedürfnisse und Probleme zu stillen. Häufig fallen einem im eigenen Alltag schon einige Dinge auf, wenn man nur darauf achtet. Auch kann man sich, wie oben schon beschrieben, verschiedene Tools zur Hilfe nehmen (wie z.B. Google), welche einem eine Hilfestellung diesbezüglich bieten.

Starte mit dem eigenen Unternehmen

Damit man mit dem eigenen Unternehmen an den Start gehen kann, bedarf es nicht an komplexen Infrastrukturen, teuren Marketing- und Werbemaßnahmen. Nein, man muss sich nur im klaren darüber sein, was unbedingt erforderlich ist, damit das Unternehmen starten kann. Erforderlich ist also generell eine Leistungserringung, ein Marketing und eine Infrastruktur.

Vor allem bei der Infrastruktur sollte man zu Anfang minimal bleiben. Es geht nicht darum das fertige Unternehmen zu erbauen, wie es nach der Skalierung aussehen soll. Am Anfang genügt es, eine Art Fassade zu erbauen. Dafür reicht es also mit wenig Kostenaufwand mit Hilfe eines Baukastensystems wie Jimdo einen Shop oder mit einem vorgefertigten Templates für WordPress eine Landingpage zu erstellen.

Auch die Arbeit im Hintergrund muss noch nicht komplett ausgereift sein und automatisiert ablaufen. Zu Anfang hat man ja erstmal nur wenige Kunden gleichzeitig zu bedienen, was man auch gut manuell bewerkstelligen kann. Zwar sollte es für den Kunden so aussehen, als ob alles schon perfekt übergreifend abläuft, indem die Aufträge schnell und problemlos abgewickelt werden. Jedoch ist dies für ihn belanglos, solange er eben sein Produkt oder seine Leistung rechtzeitig und zu versprochener Qualität bekommt.

Um jedoch auf dem Markt zu überleben, benötigt man einen permanenten Zufluss an Erlösen. Deshalb sollte man von Anfang an genau wissen, wo man diese Erlöse her bekommt. Und genau danach sollte man seinen Fokus ausrichten. Daher ist konkret zu überlegen, wie die Erlöse entstehen sollen. Diese Fragen geben einem eine wichtige Hilfestellung:

  • Über welche Kanäle erreiche ich meine Zielgruppe/spreche ich meine Zielgruppe an?
  • Was ist der Nutzen des Produktes für die Zielgruppe?
  • Was kostet den Kunden das Produkt?
  • Wo kann der Kunde das Produkt erwerben?
  • Über welchen Weg läuft die Bezahlung für das Produkt?

Um so schneller man die ersten Umsätze erzielt, desto schneller schafft man den Sprung in die Unabhängigkeit.

Der klassische Businessplan hilft einem zwar dabei, sich über die eigenen Pläne und Ziele des Unternehmens im klaren zu werden, dient jedoch hauptsächlich dazu, externe Kapitalgeber für sich zu gewinnen.

Da man es sich zu Anfang erstmal nicht leisten kann, Mitarbeiter zu beschäftigen, muss man sich vorerst selbst um alles kümmern. Mit „Allem“ ist Buchhaltung, Vertrieb, Marketing etc. gemeint. Dies kostet einen zwar erstmal viel Zeit und Nerven, jedoch hat man so auch am besten alles im Blick und kann seine Abläufe bestmöglich optimieren. Trotzdem sollte man rechtzeitig für Verstärkung sorgen und Mitarbeiter einstellen, welche einen unterstützen und einem Arbeit abnehmen, sowie auch neue Impulse in das Unternehmen mit einbringen. Nur so ist es einem möglich sein Unternehmen nach oben zu skalieren und weiterzuentwickeln.

Arbeiten nach der 80/20 Regel

Das Pareto Prinzip

Die Schwierigkeit beim Unternehmensstart ist, wie schon beschrieben, dass man sich zu Anfang selbst erstmal um alle Geschäftsbereiche kümmern muss. Dies bedeutet logischer Weise, dass man sich auf keinen der Bereiche zu 100% konzentrieren kann. Daher muss man gut zwischen den Bereichen differenzieren können, welcher der Bereiche aktuell der wichtigere ist. Denn man kann nun mal nicht alles auf einmal bewerkstelligen.

Um in diesem Bereich, welcher als der momentan wichtigste benannt wurde nicht zu viel Zeit zu verlieren, sollte man „nur“ 80 % Perfektion anstreben. Denn die restlichen 20 % erweisen sich meist nur als Zeitfresser, welcher sich im Nachhinein nicht auszahlen wird. Für einen selber hat man zwar das Gefühl, diesen Bereich 100 % erledigt zu haben, jedoch sieht ein Kunde die letzten 20 % meist nicht, bzw. diese sind für ihn nicht kaufentscheidend. Was bedeutet, man hätte sich diese 20 % auch sparen können.

Im Marketing zum Beispiel, werden 80% des Umsatzes meist mit nur 20 % der eingesetzten Marketingkanäle erwirtschaftet. Also sollte man sich erstmal auf genau diese 20 % der Marketingkanäle konzentrieren.

Zusammenfassung

Da nun öfter darauf hingewiesen wurde, dass das frühzeitige Verkaufen in der Bootstrapping-Methode ganz besonders wichtig ist, hier zum Schluss noch mal eine prägnante Zusammenfassung der einzelnen Schritte:

  1. Interessenten für sein Produkt, seine Dienstleistung gewinnen.
    Dazu sind unteranderem diese Maßnahmen von Bedeutung: Google Adwords, Social Media (Facebook, twitter, Instagram etc.), PR (Presse, Berichte, Artikel, Öffentlichkeitsarbeit), SEO (Content, Keywording), Newsletter und Direktmarketing.
  2. Leads für sein Produkt, seine Dienstleistung gewinnen.
    Ein Lead ist ein Interessent, welcher von sich aus den Kontakt zum Unternehmen sucht und aufbaut und eine konkrete Angebotsanfrage stellt. Zwar hat hier noch kein Verkauf statt gefunden, jedoch ist schon mal der Kontakt hergestellt und das Interesse an dem Produkt oder der Dienstleistung gegeben, was schon viel wert ist. Aus diesem Interesse heraus, ist es dem Unternehmer möglich, kundenspezifische Angebote zu erstellen, um so den Interessenten komplett für sich als Kunden zu gewinnen.
  3. Konkrete Aufträge für sich gewinnen.
    Dafür sollte man, da man nun seine Zielgruppe genauestens kennen sollte, für diese, passgenaue Angebote schnüren und den Kundennutzen und sein Alleinstellungsmerkmal herausarbeiten und an seine Zielgruppe kommunizieren. Man sollte auch bei Angeboten, welche noch nicht zu Aufträgen geworden sind, nachfassen ob hier noch Interesse besteht. Genauso sollte man dem Kunden gute und persönliche Beratung bieten sowie eine schnelle und vertrauensvolle Auftragsabwicklung garantieren.

Nun sollte Dir die Bootstrapping-Methode ein Begriff sein und du kannst für Dich entscheiden, ob diese Methode etwas für Deinen Unternehmensstart ist. Sie bietet Dir viele Vorteile, wenn Du mit wenig Budget startest. Jedoch ist sie eben nicht für jedes Geschäftsmodell geeignet. Und ganz wichtig ist wie gesagt, dass man von Anfang an die jeweiligen Schritte vor Augen hat, um seine ersten Umsätze zu erzielen.

Wenn Du noch Ergänzungen zu dem Thema hast, kannst Du diese gerne in die Kommentare schreiben.

Dir viel Erfolg auf dem Weg ins Unternehmertum oder solltest Du schon Dein eigenes Unternehmen gegründet haben, Dir weiterhin viel Erfolg auf Deinem Weg.

1. Januar 2017   Marketing, Unternehmertum

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